„Wenn ich Urlaub habe, habe ich Urlaub“

Dieser Satz ist klar und unmissverständlich – aber gilt er heute noch für jeden?

Was Urlaub für jeden Einzelnen von uns heißt, kann individuell extrem unterschiedlich sein. Der Eine liebt es, alles hinter sich zu lassen, vor allem die „Tretmühle“. Ich kenne Kollegen, die durchaus gerne mit anderen Kollegen zum Skifahren gehen und auch während dieser Zeit das Geschäft sehr präsent bleibt.
Andere suchen Abstand, auch in der Vereinzelung, versuchen Survival Trainings oder Yogacamps, um mal richtig aus dem Alltag rauszukommen.
Auch „Balkonien“ erfreut sich nach wie vor großer Beliebtheit, z.B. gepaart mit dringend notwendigen Reparatur- oder Gartenarbeiten. Manch einer ist auch froh, eine Woche am Stück im eigenen Bett zu Hause aufzuwachen und die ganze Familie um sich zu haben.

So verschieden die Vorlieben auch sein mögen – wir leben in einem Land, in dem Urlaub schon allein per Gesetz für jeden Berufstätigen möglich ist.
Das Bundesurlaubsgesetz sieht, basierend auf einer 5 Tagewoche, mindestens 20 Urlaubstage vor, in den allermeisten Fällen begünstigen Tarifverträge und einzelvertragliche Vereinbarungen die Arbeitnehmer deutlich. Fast 30 Urlaubstage im Schnitt plus 10 Feiertage machen rund 40 extrafreie Tage im Jahr. Damit liegen wir in Europa ganz weit vorne.
Und der Frage nach der Erreichbarkeit oder auch der Sicherstellung einer kompetenten Vertretung kommt daher große Bedeutung zu.

Ich habe zu dem Thema eine ganz klare Meinung. Die Organisation des Urlaubs fängt lange zuvor an, schließt eine Vertreterregelung mit ein und sorgt so dafür, dass die freie Zeit auch arbeitsfrei bleibt. Denn diese Zeit soll der Erholung dienen. Ausschließlich.

Während der Abwesenheit zeigt sich häufig, wie gut ein Team funktioniert und zusammenarbeitet. Sich unabkömmlich machen, oder als „Einzelkämpfer“ auf Themen sitzen bleiben macht sich allerdings spätestens dann nicht mehr bezahlt, wenn man sich in Ruhe aufs Freimachen konzentrieren will. Aber es soll auch Kolleginnen wie Kollegen geben, für die eine Woche Urlaub ohne dringliche Anrufe aus dem Unternehmen keine gelungene ist… was bei mir persönlich nicht der Fall ist. Ganz im Gegenteil: ich freue mich, wenn meine eigene Urlaubsvorbereitung im Unternehmen so erfolgreich ist, dass ich möglichst wenig und wenn dann nur mit sehr dringenden Angelegenheiten erreicht werde.

Erreichbar sein müssen oder nicht – diese Frage bleibt eine sehr individuelle und auch persönliche. Ganz sicher der Unternehmenssituation, der Position, der Tätigkeit wie auch der eigenen Einstellung zum Thema geschuldet. Als Chef mache ich meinen Mitarbeitern keine Vorgaben, so lange wir auch in der Ferienzeit handlungsfähig bleiben und  „Business as usual“ sicherstellen können.

Wie denken Sie darüber? Und für alle, die noch im Urlaub sind: erholen Sie sich gut!

Kommentare

  1. Hallo Wolfgang,
    meine Meinung zu diesem Thema kennst du ja 🙂
    Für mich beginnt Urlaub wenn ich nicht das Bedürfnis und die Möglichkeit habe, regelmäßig meine beruflichen Mails zu checken. Aus genau diesem Grund bin ich seit vielen Jahren Befürwörter von einem privaten sowie beruflichen Mobiltelefon.
    Oft werde ich angesprochen, weshalb ich denn immer zwei Smartphones mit mir „herumtrage“. Einer der wesentlichen Gründe ist, dass ich im Urlaub lediglich mein privates Smartphone dabei habe und so für Freunde und private Emails erreichbar bin und auch dank Facebook & Co. meinen privaten Interessen uneingeschränkt nachgehen kann. Das berufliche Smartphone schalte ich aus und es bleibt zu hause.
    Erst neulich habe ich hierzu einen Bericht gelesen, dass alleine der Gedanke „ich check mal kurz die beruflichen Mails – vielleicht ist etwas wichtiges dabei“ die Entspannung hemmt und häufig mentalen Stress bedeutet.
    Ich unterstütze hierbei ebenso deine Meinung, dass die Organisation des Urlaubs zum Erfolg dieser Vorgehensweise eine wesentliche Rolle spielt. Hierzu gehört natürlich auch, dass für den Notfall ein vertrauter Kollege oder vertraute Kollegin meine privat Nummer hat, damit ich in der Ausnahme erreichbar bin. Mit dieser Vorgehensweise habe ich sehr gute Erfahrungen gemacht und erholsame Urlaube verbracht 😉
    Liebe Grüße aus Köln, Marco

    • Hallo Marco,

      ich freue mich von dir zu lesen. Die Variante mit zwei Smartphones ist eine gute Lösung- wenn man auch Lust hat, zwei Geräte im Alltag bei sich zu haben. Ich habe nur ein Gerät und das funktioniert sehr gut. Mit einem eingespielten Team, das sich gegenseitig unterstützt, kann ich mir sicher sein, nur in wichtigen Fällen kontaktiert zu werden.
      Falls du deinen Urlaub noch vor dir hast, wünsche ich dir entspannte Tage!

      Viele Grüße, Wolfgang

  2. Wenn ich Herrn Göbel richtig verstehe, dann sind Störungen im Urlaub nur dann notwendig, wenn man vorher teamlos gearbeitet hat, das heißt wichtige Informationen nicht weitergegeben („gebunkert“) hat. Manche tun dies absichtlich, um wichtig zu erscheinen. Ich teile diese Meinung. Es ist aber schwierig, dies allen begreiflich zu machen. Ich habe vor ca. 2 Jahren eine neue Tätigkeit als Personalleiter begonnen. Während in meinem alten Unternehmen Absprachen vor und nach dem Urlaub perfekt funktionierten, arbeite ich in meinem neuen Unternehmen immer noch an der entsprechenden Organisation.
    Ich habe in einem Punkt aber auch eine klare Meinung: Wenn man tatsächlich unvermeidbar dringend gebraucht wird und sich nicht an einem externen Urlaubsort befindet, dann würde ich persönlich zur Arbeit antreten, wenn mich mein Arbeitgeber anruft. Soviel zum aktuellen Thema Bahn. Da wäre mir egal, ob es vorher angeblich eine falsche Personalplanung gab oder nicht. Das Problem ist nunmal aktuell da und da gilt es, die Folgen zu mildern.

    • Hallo Herr Frank,

      vielen Dank für Ihren Beitrag. Bei den ganz unvorhersehbaren und unvermeidbaren Themen finde ich Ihre Haltung gegenüber Ihrem Arbeitgeber in jedem Fall sehr fair. Ich bin sicher, dass Ihr Chef Ihren Einsatz hierzu auch schätzt.

      Viel Erfolg und beste Grüße, Wolfgang Goebel

  3. Leider ist heutzutage absolut üblich, dass, auch wenn man Urlaub hat, stets für den Arbeitgeber „Gewähr“ bei Fuß zu stehen! Also wirklich den Kopf frei zu bekommen ist dabei wirklich schwierig. Ich denke, dass dies eine bedenklich Enwicklung ist und der Urlaub nur halb so erholtsam ist wie es ein Urlaub wäre, welcher Störungen des Arbeitgebers verlebt werden kann

    Gruß Nadine

    • Hallo Nadine,

      danke für Ihren Kommentar. Ganz klar, ein ungestörter Urlaub bringt einen höheren Erholungswert. Ich versuche, in unserem Unternehmen mit gutem Beispiel voran zu gehen.

      Wolfgang Goebel

  4. Hallo,
    meine Meinung deckt sich uneingeschränkt mit der von Herrn Göbel.
    Ich nehme mein dienstliches Smartphone nicht mit in den Urlaub, für den Notfall haben ausgewählte Kollegen/innen meine private Handynummer (PS alter Nokia „Knochen“ ohne Email und Internet). Ich höre 1 X am Tag die Mailbox ab und wenn der Grund des Anrufes wichtig ist, rufe ich zurück.
    Dies hilft abzuschalten und zu entspannen und vermeidet Diskussionen mit der Familie, die -zu Recht- im Urlaub einen Anspruch auf meine ungeteilte Aufmerksamkeit hat.
    Vor allem als Führungskraft hat man die Aufgabe eine Abteilung so zu organisieren und die eigenen Mitarbeiter so zu qualifizieren, dass sie ohne einen selbst funktionieren und das zeigt sich als in erster Linie im „reality check“ Urlaub!
    Und, siehe da… es funktioniert.
    Ich halte auch nichts davon, dass die ständige Erreichbarkeit, die Karriere fördert.. Im Gegenteil!
    Ich habe bisher auch in den seltensten Fällen erlebt, dass es „lebensnotwendig“ war, im Urlaub erreicht zu werden. Meist ist es auch nur eine unreflektierte Handlung oder Gewohnheit des Anrufenden… 😉
    Gruß aus Köln

    Paolo

    • Hallo Paolo,

      vielen Dank für den Kommentar, dann sind wir ja schon zu zweit mit dieser Meinung.

      Beste Grüße, Wolfgang Goebel

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