Was ist eigentlich der Mehrwert eines Branchenverbandes – Teil 1
McDonald’s Deutschland ist schon seit über 20 Jahren Mitglied im Bundesverband der System-gastronomie, kurz BdS genannt.
Über viele Jahre haben wir die Chancen, die sich daraus ergaben, nicht gut genutzt. In den 90-igern wurden zwar mit unserem Sozialpartner NGG (Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten) erste Tarifverträge abgeschlossen, aber von einer echten Partnerschaft im sozialpolitischem Sinne konnte keine Rede sein. Zu sehr waren beide Seiten zur damaligen Zeit auf Konfrontationskurs.
Als ich Mitte 2007 die Personalverantwortung bei McDonald’s Deutschland übernehmen durfte, glich der Verband einem Scherbenhaufen. Aufgrund einer längerfristigen Erkrankung fehlte eine ordnende Geschäftsführung, der damalige Tarifvertrag war seit sechs Jahren unverhandelt, die Mitgliedsunternehmen misstrauten der Schlagkraft des Verbandes und das Verhältnis zur NGG war sehr stark angespannt.
Wirklich gute Voraussetzungen für eine erfolgreiche Verbandsarbeit…
Was war zu tun?
- Eine starke, ordnende und alle Mitglieder wieder verbindende Verbandsführung musste bestellt werden.
- Es war nötig, den persönlichen Kontakt zu den anderen Mitgliedsunternehmen (wie z. B. Burger King oder Kentucky Fried Chicken)zu suchen, um den Verband gemeinsam zu revitalisieren.
- Genauso wichtig war es, den Kontakt zur Gewerkschaft NGG aufzunehmen, um herauszufinden, ob es eine Möglichkeit gäbe das schwierige Verhältnis zwischen Verband und Gewerkschaft wieder ins Lot zu bringen.
- Es kam auch darauf an, an der Neuausrichtung des Verbands, seiner Zielsetzung zu arbeiten.
Heute, fast sechs Jahre später kann ich sagen, dass wir mit dem aktuellen BdS ein fester Bestandteil und anerkannter Partner sowohl in der Verbandswelt als auch gegenüber unserem Sozialpartner sind. Wie haben wir das geschafft?
Nun, wir sind genau den vier notwendigen Schritten gefolgt.
Mit neuer, geordneter Geschäftsführung war es möglich, den Schulterschluss mit den im Verband vertretenen Mitbewerbern zu finden. Schließlich wollten alle Mitglieder raus aus der sozialpolitischen Schmuddelecke.
Eine große Herausforderung war es, wieder eine Basis für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der NGG zu schaffen. Beide Seiten wussten 2007, dass man gegenseitiges Vertrauen nicht verordnen kann. Aber wir haben die Arbeit aufgenommen und nach 6 Monaten einen tragfähigen Tarifvertrag auf die Beine gestellt. Und heute sind wir Partner auf Augenhöhe.
Ein ganz entscheidender Mehrwert für die Branche und die darin Beschäftigten, den wir nur im gemeinsamen Schulterschluss und mit gemeinsamer fokussierter Arbeit erreichen konnten.
Sie fragen sich vielleicht was ich meine, wenn ich immer von „wir“ spreche.
Die Neuausrichtung eines Verbands hat natürlich auch immer mit Menschen in Funktionen zu tun.
Wir haben damals Anfang 2008 bei der Re-Vitalisierung des Verbandes sehr schnell eine gute, umtriebige und kompetente Hauptgeschäftsführerin für den BDS gewinnen können. Valerie Holsboer (vormals Naumann) kannte sich schon in der Verbandswelt aus und wusste ganz genau, wie man einen Verband zu organisieren und zu strukturieren hat.
Das “wir” heißt in diesem Zusammenhang auch, dass ich seit der Neuausrichtung des BDS dessen Präsident sein darf. Eine Ehre und verantwortungsvolle Aufgaben zugleich.
So, das soll es jetzt mal für heute gewesen sein.
Wer noch Mitglied im Präsidium ist, für welche Inhalte wir stehen, warum Lobbyarbeit über die Vereinbarung eines Tarifvertrages hinaus so wichtig ist und warum ich vor meiner ersten Sitzung im Präsidium der BDA unglaublich nervös war, dazu mehr in Kürze an dieser Stelle.



Wolfgang Goebel,
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