Gastbeitrag – „Die Rolle meines Lebens?“ Oder besser „Die verschiedenen Rollen meines Lebens!“

Für die Führungskräfte unter Ihnen – können Sie sich noch an Ihre erste Aufgabe in Führung erinnern? Bei mir ist diese Station noch sehr präsent, vor allem in Bezug auf den Umgang mit der neuen Rolle. Über diese spannende Phase schreibt heute Michelle Ruijters, die sich aus einer Trainerrolle in eine Führungsposition entwickelt hat.

 

Jeder von uns schlüpft sowohl im Privatleben als auch in der Berufswelt in verschiedene Rollen. Damit meine ich nicht, dass man schauspielert und sich bewusst verstellt, sondern in verschiedenen Lebenslagen und Situationen unterschiedlich fühlt und somit sich auch unterschiedlich verhält.
Nehmen wir z.B. eine Mutter, verheiratet, spielt in der Freizeit in einem Handballverein und ist auch in einer vierköpfigen Mädels-Clique. Die einfühlsame Mama, die jedoch an manchen Tagen vielleicht als Familien-Oberhaupt einen direkten Ton angibt. Beim
Handball ist der Teamgedanke gefragt und ist unabdingbar für den Sieg. Naja, und auf die Rollen als Ehefrau und/oder Partnerin brauche ich nicht detailliert einzugehen! 😉

Im Berufsleben, also am Arbeitsplatz ist es sehr ähnlich.

Seit 2010 bin ich in unserem Nationalen Schulungscenter bzw. in unserer Hamburger University als Trainerin und in der Trainings-Entwicklung tätig. Innerhalb des Trainerdaseins schlüpfe ich in unterschiedliche Rollen. Durch unsere verschiedenen Trainingsmethoden ist es ein Muss, unsere Teilnehmer (meist aus dem Restaurantmanagement), auf verschiedenen Wegen abzuholen und mit auf eine Reise zu nehmen. Es geht nicht in erster Linie darum, ihnen Fachwissen anzueignen. Vielmehr wollen wir unseren Kursteilnehmern verschiedene Handwerkzeuge mit auf den Weg geben, sie motivieren und emotional begeistern. Verschiedene Rollen zu nutzen und mit den verschiedenen Emotionen zu spielen, macht unter anderem einen guten Trainer aus.

In den letzten Jahren habe ich diese Rolle lieben gelernt. Das ist keine Übertreibung! Vielleicht kennen Sie das Gefühl von innerer Zufriedenheit, das Gefühl angekommen zu sein. Seine Berufung gefunden zu haben. Das bedeutet nicht, auf der Stelle zu bleiben, sondern darin immer und immer besser werden zu wollen, sich stetig weiterzuentwickeln. Und das ist ein tolles Gefühl!

Im Dezember letzten Jahres wurde mir ganz unverhofft das Angebot gemacht, die Leitung des Schulungscenters, unserer Hamburger University zu übernehmen. Wow! – Welch eine Wertschätzung meiner Person. Der Zuspruch meiner Vorgesetzten, des Personalvorstandes und meiner Familie und Freunde halfen mir bei meiner Entscheidung, dieses Angebot anzunehmen. Wie es in solchen Situationen immer ist, hatte ich auch nicht viel Zeit um eine Entscheidung zu treffen. Hop oder Top!

Die Rolle der Leitung, die Rolle der Team-Leitung kam also zu meinem Portfolio an Rollen dazu. Einhergehend natürlich auch ganz viele neue und zusätzliche Aufgaben. Ich wusste zuvor nicht, dass es so viele verschiedene Portale gibt, bei denen man fast täglich irgendetwas freigeben, ablehnen, bestätigen oder genehmigen muss.

Dazu gehören auch, das Mitwirken in verschiedenen nationalen aber auch internationalen Arbeitsgruppen und unzähligen Meetings und Calls. Ebenso die Verantwortung für das gesamte Kursgeschehen und das Erscheinungsbild unseres Schulungscenters. Die größte Herausforderung, auch in der Nachbetrachtung, ist jedoch die Leitung des Teams.

Ein Satz reicht aus:
Vom Teammitglied, also der Kollegin, zur Team-Leitung, also zur Vorgesetzten.
Oder anders gesagt:
Vereinbarkeit der Rolle „Teamkollegin“ und der Rolle „Chefin“.

Denn in der einen Sekunde bin ich die Kollegin, ein ganz bewusstes Teammitglied. Man führt gemeinsam den Kurs, das Seminar oder den Workshop durch, gehen gemeinsam zum Essen und ratscht über Gott und die Welt.

Und in einem anderen Moment muss ich die Rolle der Leitung ganz bewusst zeigen. Gewisse Entscheidungen alleine treffen und Erwartungen oder Richtlinien klar vorgeben. Auch mal die unschönen Dinge auf den Tisch packen.

Wer meint, dass das immer ein Zuckerschlecken ist, den lade ich hier und jetzt zu einem gemeinsamen Talk in unserem Schulungscenter ein. Natürlich bei einer Tasse Kaffee! 😉

Kennen Sie das Gefühl von Ungeduld und Perfektionismus? Kennen Sie das Gefühl von dem Betreten eines ungewohnten Territoriums?

Bis dato habe ich schon sehr viel gelernt und lerne Tag für Tag. Ohne die  Unterstützung durch Menschen aus Arbeits- und Privatleben würde das nicht funktionieren. Aus jeder Situation, durch jedes Gespräch wird man immer ein Stück klüger bzw. nimmt man Anreize und verschiedene Gedankengänge mit.

Ich wurde Anfang des Jahres gefragt, ob ich einen Beitrag für diesen Blog formulieren möchte. Meine direkte Antwort war NEIN!
Wissen Sie, was schön ist, wenn ein „Nein“ akzeptiert und das Warum verstanden wird.
Und heute kann ich daraus ein überzeugtes JA machen.

In diese eine Rolle hineinzuwachsen bzw. die verschiedenen Rollen mit Leib und Seele auszufüllen bedeutet Geduld haben. Kein Meister ist vom Himmel gefallen. Ich sage meinen Teilnehmern sehr häufig, dass Übung und Erfahrung einen besser werden lassen. Hilfe annehmen und offen für Feedback zu sein, ist ein Muss. Vor allem Geduld mit sich selbst zu haben, das bringt einen voran.

Fazit:

Meines Erachtens gibt es nicht die eine Rolle – vielmehr das Zusammenspiel verschiedener Rollen. Welches dabei die Nebenrollen und welches die Hauptrollen darstellen, kann jeder Einzelne nur selbst herausfinden! Das Wichtigste ist, trotz der verschiedenen Rollen sich selbst treu zu bleiben.

Kommentare

  1. Hallo Michelle,
    danke für deinen wunderbaren Blog-Beitrag und deine Offenheit.
    Ich hoffe, dass dieser Betrag Kolleginnen und Kollegen ermutigt aus ihrer Komfortzone herzuzutreten und neue Herausforderungen anzunehmen.
    Ich möchte aber dein Fazit ganz dick unterstreichen.
    Es geht nicht um einen neuen Titel, mehr Verantwortung oder andere Bewegründe. Letztendlich musst du dir selbst treu bleiben und hinter dem was du tust stehen.

  2. Toller Beitrag. Auf jeden Fall sehr motivierend

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