Wenn’s menschelt

Ich habe mich ein bisschen länger nicht gemeldet, ich war zehn Tage mit meiner Frau in Kanada und möchte von einer kleinen Begebenheit erzählen:

Letztes Jahr zu Weihnachten habe ich meiner Frau einen Besuch der diesjährigen Eiskunstlaufweltmeisterschaft geschenkt. Sie fand dieses Jahr in London, Ontario, Kanada statt und zwar vergangene Woche. Mit Eiskunstlauf habe ich mich in meinem Leben bisher deutlicher weniger beschäftigt als mit Fußball, aber ich weiß, dass meine Frau diesen Sport liebt und so kam ich auf diese Idee. Es war ein großartiges Erlebnis und ein voller Erfolg.

Wir haben etwas außerhalb von London gewohnt und sind jeden Morgen zu den Wettbewerben in die Stadt gefahren. Das Essen in der Veranstaltungshalle “Budweisers Garden” war jetzt nicht so toll, sodass wir uns eine Frühstücksgelegenheit in der Nähe gesucht haben – und wir haben was sehr Nettes gefunden,  das Billy’s Deli Restaurant. Dort waren wir letzte Woche bestimmt fünfmal zu Gast. Es wird von einem älteren Ehepaar betrieben, sehr herzliche Menschen. Es gibt dort tolle Omeletts und wunderbare, hausgemachte Pies.

Warum erzähle ich das?
Nun, am Samstag waren wir morgens auch wieder da. Alle rund 20 Tische waren besetzt, der Laden brummte und man konnte merken, dass es dem Inhaberehepaar fast ein bisschen zu viel wurde. Die Bedienung, auch eine sehr freundliche Dame, erzählte uns, das die Eiskunstlauf WM ihnen Rekordumsätze beschert hätte, sich jetzt aber alle auf Montag freuen würden, da ist dann alles vorbei und es ist Ruhetag. Ich konnte das gut verstehen, wenngleich wir bei McDonald’s das mit dem Ruhetag eher weniger kennen.

Wir frühstückten wie gehabt und wollten dann los, weil der letzte Wettbewerb begann. Plötzlich war der Zettel, auf dem stand, was wir verzehrt hatten und mit dem man normalerweise zur Kasse geht, von unserem Tisch verschwunden. Ich fand das komisch und fragte nach. Der Besitzer kam zu uns und sagte, dass jemand vom Nachbartisch mitbekommen hätte, dass wir extra aus Deutschland nach Kanada zur Eiskunstlauf-WM gereist sind und er sich so darüber gefreut habe, dass er die Rechnung unseres Frühstücks übernommen hat. Er wolle aber unerkannt bleiben und so nur ausdrücken, dass wir in seiner Stadt sehr willkommen seien.

Was für eine Gastfreundschaft!

Sowas haben wir noch nie erlebt und wir waren echt baff. Ich schreibe hierüber in meinem Blog, weil es wieder einmal zeigt, dass es nicht die ganz großen Gesten sein müssen – manchmal sind es die kleinen, die einen glücklich machen und diesen einen, besonderen “Moment” bescheren. Ich denke das gilt im Privaten wie im Beruflichen.

Ich glaube jetzt nicht, dass der großzügige Spender meinen Blog liest. Und wenn doch, dann sei hiermit ein herzlicher Dank gesagt für eine wundervolle Woche in einer Stadt mit wundervollen Menschen.

Kommentare

  1. Tolle Geste mit hohem Gänsehaut-Faktor. Das ist City Branding at its best. Solche Marken-Botschafter, die bereit sind, hinter ihre Botschaft komplett zurück zu treten, und Dinge um der Geste willen zu tun, und nicht, um sich hernach mit dem Glorienschein zu schmücken, kann man sich nur mehr wünschen!
    Auf nach London, Ontario, Kanada!

    • Vielen Dank für Ihren Kommentar. Ich sehe es genau wie Sie und möchte noch mal betonen, dass es eben die kleinen Gesten sind, die großen Eindruck hinterlassen können.

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