Respekt, Herr Tafilaj!

In meinem Job muss und darf ich sehr viele Entscheidungen treffen. Hier sind oft schwerwiegende Entscheidungen mit systemrelevanter Tragweite dabei und das ist manchmal richtig stressig.

Einen Ausgleich dazu habe ich mir selbst geschaffen und der sieht folgendermaßen aus:

Ich gehe öfter in unsere Restaurants, manchmal alleine, irgendwo in Deutschland, und fange an mich mit unseren Mitarbeitern zu unterhalten. Ich frage sie, ob ihnen der Job Spaß macht, was sie vor McDonald’s gemacht haben, wie es mit ihrer Ausbildung aussieht und was ihre Wünsche und Träume sind. Manchmal gebe ich mich direkt als Personalvorstand zu erkennen, manchmal auch erst am Ende eines Gesprächs.

So habe ich auch Hekuran Tafilaj kennen gelernt, dessen Geschichte sich mir besonders eingeprägt hat:  Hekuran ist seit 2002 in Deutschland und kommt aus dem ehemaligen Kosovo. Sein Vater ist schon seit 40 Jahren in Deutschland und arbeitet seitdem in einem Automobil-zuliefererbetrieb. Die ersten 28 Jahre ist der Vater gependelt und dann vor zwölf Jahren ist die ganze Familie, Hekuran hat noch eine Schwester und einen Bruder, nach Wasserburg gezogen. Vater und Mutter war es sehr wichtig, dass alle drei Kinder schnell die deutsche Sprache erlernen und sich zügig integrieren. Deshalb war erst mal Volkshochschule angesagt und anschließend ein Berufsvorbereitungsjahr. Schon 2005 konnte Hekuran die schulische Ausbildung mit einem Hauptschulabschluss beenden, zwar kein super Abschluss, aber Hauptsache geschafft.

Jetzt, mit 18 Jahren, war natürlich der Führerschein angesagt, aber wie ohne eigenes Geld? Und so begann Hekurans McDonald’s Karriere 2005 am Stachus in München. Von 2005 bis 2008 arbeitete er dort als Crewmitarbeiter. Er war sehr anerkannt und konnte sich zum Crewtrainer qualifizieren. Die Arbeit machte ihm genauso Spaß wie auch die Möglichkeit, schon ein Stück weit Verantwortung zu übernehmen.

Nur eine berufliche Ausbildung hatte er noch nicht in der Tasche und sein Vater drängte ihn sehr, doch etwas „Vernünftiges“ zu machen. Also bewarb er sich bei uns für eine Ausbildung zum Fachmann für Systemgastronomie. Leider hat es nicht geklappt. Doch dann änderte sich etwas: 2009 begannen wir die Ausbildung zur Fachkraft im Gastgewerbe in unseren Restaurants anzubieten, die sich an Hauptschüler richtet.

Hekuran bewarb sich wieder und diesmal klappte es auf Anhieb, im September 2009 begann er seine Ausbildung. Die ganze Familie freute sich, als Hekuran im Herbst 2011 sein Abschlusszeugnis in den Händen hielt – geschafft und mit guten Noten! Tja, und dann ging es in die Verlängerung. Er bewarb sich direkt für den Fachmann für Systemgastronomie und hängte 18 Monate dran. Hekuran wollte unbedingt Schichtführer werden und sein Restaurant Manager traute es ihm zu. Und jetzt, in diesen Tagen, steht die mündliche Prüfung an. Der schriftliche Teil ist nicht optimal gelaufen, aber es ist noch alles drin – ich bin mir sicher, er wird es schaffen.

In den Gesprächen, die ich bisher mit ihm geführt habe, fragte ich Hekuran des Öfteren  nach den Gründen, warum er jetzt schon fast acht Jahre bei uns ist. Seine Antwort ist verblüffend einfach:

Es sind die Menschen, die bei McDonald’s arbeiten, in seinem Restaurant in München im Tal. Es ist der starke Zusammenhalt des Teams, das aus so vielen verschiedenen Nationalitäten besteht, mit so vielen verschiedenen Sprachen, aber doch immer mit einer Stimme spricht. Und es ist sein Stolz, auf sich, auf das, was er bisher erreicht hat und Stolz auf seinen Arbeitgeber, der ihm, wie vielen anderen auch, die Möglichkeit zur Entfaltung gibt. Übrigens, zweigeteilter Meinung werden wir immer beim Thema Fußball sein, er ist Fan vom FC Bayern München und ich vom 1. FC Köln. Mehr sage ich nicht dazu…

Zum Schluss möchte ich noch erwähnen, dass ich Hekuran das erste Mal Ende 2009 in seinem damaligen Restaurant am Stachus getroffen habe. Er hatte mich direkt angesprochen und sich für die Möglichkeit bedankt, bei uns eine Ausbildung machen zu können. Seitdem sehen wir uns von Zeit zu Zeit. Ich finde den Weg toll, den er eingeschlagen hat, sein Engagement, seinen Ehrgeiz und seine Ehrlichkeit.

Respekt, Herr Tafilaj und viel Erfolg bei der Prüfung!

Ja, ich habe die Verantwortung für das Wohl unserer 64.000 Mitarbeiter in Deutschland. Aber 64.000 ist erst mal nur eine Zahl. Die Begegnungen mit Menschen wie Hekuran, die machen Verantwortung sichtbar und erlebbar – und das liebe ich!

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