Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser?

Angeregt durch die Sendung Markencheck in der ARD am letzten Montag, ist es mir ein Anliegen, auf das Thema Personalrichtlinien in einem Franchisesystem einzugehen.

Eines ist zumindest klar, eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Franchise-Nehmern und Mitarbeitern ist immer erfolgversprechender, als die bloße Kontrolle von Vorgaben. Zum anderen liegt in einem Franchisesystem die Verantwortung in der Personalpolitik auch beim Franchise-Nehmer selbst, da sie selbständige Unternehmer sind. Tarifvertrag, Betriebsverfassungsgesetz sowie eine Vielzahl von Arbeitnehmerschutzrechten geben bei uns einen einheitlichen Rahmen vor und bieten unseren rund 64.000 Mitarbeitern Sicherheit.

Zusätzlich gibt es bei uns ein so genanntes Audit-Team von 6 Mitarbeitern, die täglich in unseren Restaurants unterwegs sind und sowohl die arbeits- als auch tarifrechtliche Behandlung der Mitarbeiter vor Ort checken. Dies ist übrigens datenschutzrechtlich gar nicht so einfach, weil sie hier die Daten Dritter einsehen. Wir dürfen das auch nur zum Schutze des gesamten Systems durchführen und nachdem die Mitarbeiter im jeweiligen Restaurant vorab informiert worden sind. Die Inhalte und die Form der Durchführung werden generell vorher mit der Vertretung unserer Franchise-Nehmer im Detail besprochen. Das Ziel eines Audits soll nicht nur die „Kontrolle“ sein, sondern sich hauptsächlich unterstützend für die Personalarbeit vor Ort auswirken. Werden schwere Verstöße festgestellt, wird dies gemeldet und kann in letzter Konsequenz zum Verlust einer Lizenz führen. Auch das ist schon vorgekommen.

Durch die Personalaudits sind aber weder unsere Restaurantleiter noch unsere Franchise-Nehmer von der direkten Mitarbeiterverantwortung entbunden. Welche Themen angesprochen werden, hängt ganz davon ab, was vor Ort akut ist. In der Regel sind es weniger drastische Punkte, als zum Beispiel der ARD Markencheck nennt. Hier wurde davon gesprochen, in einem Restaurant würden Betriebsratsgründungen behindert, es herrsche ein „Regime der Angst“.

Bei McDonald’s Deutschland gibt es ca. 80 Betriebsräte. Eine Betriebsratsgründung ist für viele etwas Neues, Unbekanntes und wir haben uns in der Vergangenheit mit diesem Thema tatsächlich auch keine Lorbeeren verdient. Da kann es durchaus zu Querelen kommen. Auch hier setzen wir auf den Grundsatz der vertrauensvollen Zusammenarbeit: Wir versuchen die Wogen zu glätten und durch ehrlichen Dialog eine Lösung zu finden.

Insgesamt arbeiten mittlerweile rund 64.000 Menschen bei McDonald’s Deutschland. Im Durchschnitt bleibt ein gewerblicher Mitarbeiter über 3 Jahre bei uns. Dies wäre nicht der Fall, wenn hier insgesamt ein „Regime der Angst“ herrschen würde. Und wenn ein Mitarbeiter ein Problem hat, das er nicht mit seinem Vorgesetzten klären kann, besteht die Möglichkeit für jeden, sich an die unabhängige Vertrauensstelle zu wenden. Dies haben seit 2008 regelmäßig Mitarbeiter erfolgreich in Anspruch genommen.

Es ist also die Mischung aus Verantwortung und Kooperation vor Ort, die von uns gefördert wird. Die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Franchise-Nehmern ist aus meiner Sicht der Knackpunkt für eine erfolgreiche Umsetzung von Personalrichtlinien im Franchise-System.

Ich bin fest der Meinung, dass wir gemeinsam mit unseren Franchise-Nehmern unsere Leistungen als Arbeitgeber in den letzten Jahren deutlich verbessert haben. Konstruktive Kritik hilft uns dabei auf dem Weg zu einem  guten Arbeitgeber. Genau dafür werde ich mich auch weiter einsetzen!

Kommentare

  1. Hallo Herr Goebel!

    Eine “vertrauensvolle Zusammenarbeit” ist in allen Lebensbereichen ein sehr vernünftiger oft auch zielführender Einsatz – nur zu oft klappt es in der Realität leider nicht damit.

    Ich denke es ist wichtig, dass Sie – als Franchise-Geber – Ihren Franchise-Nehmern/Unternehmern ein sehr klares Bild vorgeben, wie Sie sich den konkreten (!) Umgang mit dem Personal vorstellen. Z. B. in Form einer McDonalds Personal-Charta oder ähnlich. Fakt ist natürlich, dass alle McDonals-Personalprobleme beim jeweiligen Franchise-Nehmer direkt auf den Namen, die Marke McDonalds zurückfällt. Schlecker hatte ähnliche Probleme.

    Gut. Die 6 Auditoren sind bei der Anzahl der Franchise-Nehmer natürlich nicheinmal der besagte Tropfen auf dem heissen Stein, von den von Ihnen genannten Einschränkungen kaum zu sprechen.

    Gratulation übringens zu diesem Blog, hat was…

    Bis dahin,

    Frederic Sent

    • Hallo Herr Sent,
      vielen Dank für Ihren Kommentar. Was das Thema Personal-Charta betrifft, haben wir 2008 das McDonald’s Führungsversprechen entwickelt und sind noch in der operativen Umsetzung. Es entstand auf Basis der globalen McDonald’s Company Values und u.a. in Zusammenarbeit mit den Franchise-Nehmern. In regelmäßigen Trainings bringen wir allen Führungspersonen das Führungsversprechen näher (z.B. via Rollenspiele). Und damit alle Mitarbeiter mit unseren Leitlinien vertraut sind, nutzen wir natürlich auch interne Medien. Aber auch hier gilt, Plakate reichen selbstverständlich nicht aus. Ein Führungsversprechen bringt nur etwas, wenn es wirklich gelebt wird. Welche Erfahrungen haben Sie denn mit diesem Thema gemacht?

      Herzliche Grüße,
      Wolfgang Goebel

  2. [...] interessanten internen Einblick zum Umgang mit Franchisenehmern und Mitarbeitern gibt der Artikel “Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser?” des McDonald’s Personalvorstands Wolfgang [...]

  3. Hallo Herr Goebel,
    ich habe die Sendung Markencheck in der ARD ebenfalls verfolgt und fand den Bericht im Großen und Ganzen sehr aufschlussreich. Die Ergebnisse im Prüfpunkt „Fairness“ haben mich allerdings nicht überrascht. McDonalds war in meinen Augen noch nie ein Arbeitgeber, der im Bereich Arbeitnehmerfreundlichkeit groß punkten konnte. Das schlechte Image resultiert meiner Meinung nach aus der Tätigkeit als Systemgastronom („McJobs“) selbst und ist daher kein spezifisches McDonalds Problem. Vor vergleichbaren Herausforderungen stehen Burgerking, Nordsee und Co. ebenfalls. Da Sie jedoch der Marktführer sind, so scheint es mir, werden Sie gerne als „Prügelknabe“ für eine ganze Branche herangezogen. Ich finde Ihre Bemühungen, die sie nicht erst seit 2003 betreiben, um Ihre Employer Brand aufzupolieren sehr lobenswert. Auf der anderen Seite finde es allerdings schade, dass durch die im Bericht genannten „Einzelfälle“ Ihre Arbeitgebermarke wieder erheblich angekratzt wird, denn der (potenzielle) Arbeitnehmer unterscheidet nicht zwischen Francisegeber oder Francisenehmer.

    Beste Grüße
    Tibor Pintér

    PS: Sehr schöner Blog!

    • Hallo Herr Pintér,
      vielen Dank für Ihren Beitrag und Ihr Lob. Wie Sie schon anmerken, arbeiten wir seit mehreren Jahren hart daran unsere Position als Arbeitgeber, gerade bei der Aus- und Weiterbildung oder bei tariflicher Bindung, sowohl intern als auch extern zu verbessern. Allerdings wissen wir auch, dass ein langer Atem dazu gehört, um vor allem nachhaltig die Menschen von unserem Engagement und Initiativen zu überzeugen. Ich freue mich, dass Ihnen aufgefallen ist, dass wir an diesen Themen arbeiten und hoffe, dass Sie uns weiter mit Ihrer Aufmerksamkeit begleiten.

      Herzliche Grüße,
      Wolfgang Goebel

  4. Hallo Wolfgang,

    als Ex-Verwaltungsmitarbeiter, der es immerhin sogar 5 Jahre im “Regime der Angst” ausgehalten und davon keine Sekunde bereut hat, weiß ich dass die Bemühungen, den Umgang mit den Mitarbeitern bei McDonald’s weiter zu verbessern maximal ernst zu nehmen sind. In jedem großen Unternehmen egal welcher Organisationsform gibt es Herausforderungen und Probleme zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer und die Öffentlichkeit sollte sich langsam ernsthafter und nicht so klischeehaft mit der sog. Systemgastronomie beschäftigen. Dir als einem wichtigen Gesicht dieser Branche bleibt nichts als weiter aufzuklären und dich nicht auf wenige Sätze in einem TV- Beitrag reduzieren zu lassen und gleichzeitig jede konstruktive Kritik auch weiterhin ernst zu nehmen. Dafür wünsche ich dir auch in Zukunft viel Kraft und Erfolg!

    Viele Grüße aus Wien

    Martin

    • Hallo Martin, ich danke Dir. Genau in diesem Sinne werden wir natürlich weitermachen und ich wünsche auch Dir viel Glück und Erfolg für Deine Zukunft. Herzliche Grüße, Wolfgang.

  5. Hallo,

    ich arbeite seit einigen Jahren bei einem Franciseunternehmer von McDonalds. Habe auch den Bericht im Fernsehn gesehen, fand diesen teilweise informativ, teils versuchte man Probleme anderer auf Mc Donalds zu schieben, aber in Sachen Personal gibt es schon Licht und oft Schatten. Es wird aber keine gezwungen bei
    “Mäckes” zu arbeiten. Ein gutes Bsp für Licht und Schatten, die TV Werbung “Mitarbeiter gesucht” Licht:
    Es stimmt tatsächlich egal was Du vorher gemacht hast Du bekommst eine Chance! Schatten: Ohne Vitamin B ist die Leiter nach oben ganz schnell zu Ende.

    Schönen Gruss

    Driffold Cosgood

    • Herzlichen Dank für Ihren Kommentar. Es gibt gerade bei den Personalthemen auch heute noch keinen Grund in Überschwang zu verfallen, aber ich bleibe dabei, wir haben an den Rahmenbedingungen im Restaurant in den letzten Jahren viel verbessert. Wie die Dinge im Restaurant umgesetzt werden ist eine andere Sache.
      Mein Eindruck ist, wir sind zusammen mit unseren Franchise-Nehmern auf einem guten Weg!

      Viele Grüße
      Wolfgang Goebel

  6. Die persönlichen Erfahrungen mit McDonald’s sind sicher immer auch sehr stark vom jeweiligen Franchisenehmer abhängig. Mein Chef betreibt aktuell 16 Restaurants und ich muss sagen, dass ich mich in den von der ARD behaupteten Umständen überhaupt nicht wiederfinden kann.
    Im Gegenteil legt man bei uns Wert auf ein Miteinander – von Angst kann gar nicht die Rede sein. Und das sage ich nicht, weil ich es muss, sondern weil ich zufrieden mit meiner Arbeit, dem Klima dort und McDonald’s bin.

    • Lieber Herr Klöntrup,
      es freut mich sehr zu lesen, dass Sie so zufrieden sind. Wir werden weiterhin hart daran arbeiten, dass es allen 64.000 Mitarbeitern so gut geht, wie Ihnen.
      Alles Gute für die Zukunft
      Wolfgang Goebel

    • Es ist sehr erfreulich auch positive Gegendarstellungen zu lesen, zumal nachhaltiges Personalmanagement in Franchise-Systemen sehr komplexen Anforderungen ausgesetzt ist.

    • Sehr geehrte Frau Göllner,
      ich danke Ihnen sehr für Ihr Feedback. Offensichtlich liegt noch einiges an Arbeit vor uns, allerdings bin ich davon überzeugt, dass die ersten wichtigen Schritte in Richtung eines nachhaltigen Personalmanagements gemacht wurden. Und trotz der von Ihnen angesprochenen Komplexität freut es mich sehr, dass ein Großteil der Franchise-Nehmer dem Beispiel einer ausgewogenen Personalpolitik folgt.
      Herzliche Grüße,
      Wolfgang Goebel

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